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Research

Anatomie von 2.000 Stürzen

Die meisten Pflegeheime überwachen die falschen Dinge. Wir haben 2.000 reale Stürze und 3 Millionen Positionswechsel analysiert, um herauszufinden, worauf es wirklich ankommt.

März 2026

2.000+

Bestätigte Sturzereignisse analysiert

3 Mio.+

Erfasste Zustandsübergänge

Das Aufstehen aus dem Bett ist 2,5-mal risikoreicher als jede andere Bewegung. Derselbe Übergang um 3 Uhr morgens endet 63 % häufiger in einem Sturz als um 15 Uhr. Personen, die eine Gehhilfe (wie z. B. einen Rollator) nutzen, machen 32 % der betreuten Personen aus, sind aber für 52 % aller Vorfälle verantwortlich – und zwei Drittel dieser Ereignisse ereignen sich, wenn die Gehhilfe gar nicht benutzt wird. Die wichtigste Erkenntnis? 79 % der Stürze in Institutionen sind vermeidbar.

Dies sind keine Schätzungen. Die Daten stammen aus 2.000 bestätigten Ereignissen und 3 Millionen Zustandsübergängen, die von Tetons Assistenzsystem in Einrichtungen in den Vereinigten Staaten, Dänemark, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz erfasst wurden. Die Analyse beantwortet eine praktische Frage: Was geht einem Sturz tatsächlich voraus, und wie kann präventiv gehandelt werden? Hier sind die Ergebnisse.

Wie das Teton-System ein Zimmer wahrnimmt

Der Teton-Sensor erkennt Bewegungen im Raum, und klassifiziert 10-mal pro Sekunde die grobe Aktivität. Das System unterscheidet 14 allgemeine Zustände, in denen sich eine Person befinden kann. Ein Übergang ist jede Bewegung von einem Zustand in einen anderen, etwa das Aufstehen aus dem Bett, das Hinsetzen auf einen Stuhl oder das Verlassen des Raumes.

Im Bett liegend
Im Bett liegend
Im Bett sitzend
Im Bett sitzend
Bettkante
Bettkante
Auf Stuhl sitzend
Auf Stuhl sitzend
Im Rollstuhl
Im Rollstuhl
Stehend
Stehend
Gehen mit Gehhilfe
Gehen mit Gehhilfe
Kniend
Kniend
Auf dem Boden sitzend
Auf dem Boden sitzend
Auf dem Boden liegend
Auf dem Boden liegend
Ausser Sichtweite
Ausser Sichtweite
Badezimmer
Badezimmer
Gemeinschaftsbereich
Gemeinschaftsbereich
Garten
Garten

Jedes Mal, wenn eine Person von einem Zustand in einen anderen wechselt, protokolliert das System einen Übergang. Über 2.000 Ereignisse hinweg wurden die 3 Millionen Übergänge in deren Umfeld analysiert, um zu verstehen, welche Bewegungsabfolgen mit Risiken verbunden sind.

Mehr über Tetons System erfahren →

Nicht alle Übergänge sind gleich

Eine Sicherheitslösung in einer Einrichtung erfasst Dutzende Zustandsänderungen pro Tag. Ein Wechsel vom Liegen im Bett zum Aufsetzen. Vom Sitzen zum Stehen. Vom Stehen zum Gehen. Vom Aufenthalt im Zimmer zu „ausser Sichtweite“. Die meisten dieser Übergänge sind völlig alltäglich. Einige wenige sind risikoreich.

Das relative Sturzrisiko jedes Übergangstyps wurde über 3 Millionen Ereignisse hinweg gemessen:

ÜbergangSturzrisiko ggü. Ausgangswert
Aufstehen aus dem Bett2,5-mal wahrscheinlicher
Aufstehen von einem Stuhl1,6-mal wahrscheinlicher
Wechsel von/zu ausser Sichtweite2–3-mal unwahrscheinlicher
Bett zu ausser Sichtweite (und umgekehrt)~10-mal unwahrscheinlicher

Die ersten beiden Punkte sind intuitiv nachvollziehbar. Der Transfer von einer gestützten Position (Liegen, Sitzen) in eine ungestützte (Stehen) ist der Moment der grössten Instabilität. Doch die Erkenntnis zu „ausser Sichtweite“ ist genauso wichtig: Übergänge zum und vom Badezimmer, zum Flur oder aus dem Zimmer heraus führen deutlich seltener zu Stürzen. Das bedeutet, dass viele herkömmliche Systeme bei den falschen Übergängen Alarm schlagen: Sie erzeugen Unruhe durch Ereignisse ausser Sichtweite, während sie beim Verlassen von Bett und Stuhl zu selten unterstützen.

Übergangsrisiko: Aufstehen aus dem Bett 2,5-mal, Aufstehen vom Stuhl 1,6-mal, Übergänge ausser Sichtweite unwahrscheinlicher

Wann Stürze passieren

Die Tageszeit hat einen spürbaren Einfluss auf das Sturzrisiko:

ZeitfensterSturzwahrscheinlichkeit ggü. Nachmittags-Ausgangswert
Morgen (06:00–12:00)-7 % (etwas niedriger)
Nachmittag (12:00–18:00)Ausgangswert
Abend (18:00–00:00)+18 % (höher)
Nacht (00:00–06:00)+63 % (deutlich höher)

Ein Übergang um 3 Uhr morgens führt mit 63 % höherer Wahrscheinlichkeit zu einem Sturz als derselbe Übergang um 15 Uhr. Reduzierte Personalbesetzung in der Nacht, Dunkelheit und Desorientierung nach dem Aufwachen spielen hierbei eine zentrale Rolle. Die nächtliche Unterstützung ist daher kein reines „Nice-to-have“, sondern fängt den grössten Teil des vermeidbaren Risikos auf.

Tageszeit: Morgen -7 %, Nachmittag Ausgangswert, Abend +18 %, Nacht +63 % wahrscheinlicher

Inaktivität ist ein Risikoverstärker

Je länger eine Person vor einem Übergang inaktiv war, desto aufmerksamer muss der Übergang begleitet werden:

Zeit im vorherigen ZustandSturzrisiko-Multiplikator
< 15 MinutenAusgangswert
15–30 Minuten1,4-mal
30–60 Minuten1,5-mal
> 1 Stunde (beliebiger Zustand)1,6-mal
> 1 Stunde (im Bett oder sitzend)2,4-mal

Wird nach über einer Stunde im Bett in den Stand gewechselt, ist das Ereignis statistisch 2,4-mal häufiger mit einem Sturz verbunden als nach einer kurzen Ruhephase von unter 15 Minuten. Für die Organisation des Pflegedienstes ist diese Bedeutung erheblich: Ein Signal für das „Verlassen des Bettes“ nach einer langen Ruhephase erfordert eine andere Priorisierung im Arbeitsablauf als ein Wechsel nach nur wenigen Minuten.

Inaktivitätsrisiko: 15–30 Min. 1,4-mal, 30–60 Min. 1,5-mal, >1 Stunde 1,6-mal, >1 Stunde im Bett/sitzend 2,4-mal

Der Stellenwert der Sturzhistorie

Personen, bei denen in den letzten 3 Monaten ein Sturz dokumentiert wurde, zeigen eine 5-mal höhere Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Ereignis in den folgenden 30 Tagen. Dies ist der statistisch stärkste Indikator im Modell.

Daraus ergibt sich eine direkte organisatorische Konsequenz: Nach einem Vorfall sollte die Sensibilität des Assistenzsystems für die betroffene Person umgehend angepasst und für einen längeren Zeitraum beibehalten werden, um das Pflegeteam optimal zu unterstützen.

Sturzhistorie: Erhöhte Wahrscheinlichkeit für Folgeereignisse in den ersten 30 bis 90 Tagen nach einem Sturz.

Nutzer von Gehhilfen: 32 % der Belegung, 52 % der Stürze

Personen, die auf Gehhilfen angewiesen sind, verzeichnen eine 3,2-mal höhere Sturzwahrscheinlichkeit als jene, die keine Mobilitätshilfen verwenden. Obwohl sie nur etwa ein Drittel der Belegung ausmachen, entfallen auf sie mehr als die Hälfte aller Ereignisse.

Die Daten werden noch konkreter:

Stürze bei Nutzern von GehhilfenAnteil
Gehhilfe zum Zeitpunkt des Sturzes nicht genutzt67,3 %
Gehhilfe war im Zimmer, aber nicht in Gebrauch43,3 %
Gehhilfe war nicht im Zimmer20,0 %
Gehhilfe zum Zeitpunkt des Sturzes genutzt32,7 %

Zwei Drittel dieser Stürze ereignen sich, wenn die Gehhilfe aktuell nicht aktiv verwendet wird. In 43 % der Fälle war die Gehhilfe physisch im Raum vorhanden, stand jedoch nicht in direkter Reichweite. Dies verweist auf ein grosses Präventionspotenzial, das durch reine Anpassung des Umfelds statt durch pflegerische Interventionen gelöst werden kann: Eine Gehhilfe strategisch näher am Bett zu positionieren, ist eine einfache organisatorische Massnahme.

Nutzer von Gehhilfen: 32 % der betreuten Personen, 52 % der Stürze, 3,2-mal höhere Sturzwahrscheinlichkeit
Wie Stürze bei Gehhilfen-Nutzung geschehen: 67 % ohne die Gehhilfe, 43 % mit Gehhilfe im Raum, aber nicht in Gebrauch

Rollstuhlnutzer und Bett-Transfers

Bei der Nutzung eines Rollstuhls addieren sich die Faktoren. Das Aufstehen aus dem Bett ist ohnehin mit einem erhöhten Risiko verbunden; bei einer zusätzlichen Mobilisation in oder aus einem Rollstuhl steigt der Risikofaktor auf das 5,3-fache des allgemeinen Ausgangswerts.

In Einrichtungen, in denen die Unterstützung beim Verlassen des Bettes für diesen Bereich gezielt eingerichtet war, sank die dokumentierte Sturzrate in dieser Gruppe um 66 % (von 16,8 auf 5,7 pro 1.000 Aufenthaltstage). Dies stellt die deutlichste Reduktion innerhalb der untersuchten Segmente dar.

Rollstuhlnutzer: 5,3-mal höheres Risiko beim Aufstehen aus dem Bett – der statistisch intensivste gemessene Übergang

Aktivitätsmuster und Ruhephasen: Die leisen Signale im Alltag

Zwei rein organisatorische Parameter zeigen eine spürbare Korrelation mit dem allgemeinen Sturzrisiko im Alltag:

Regelmässigkeit der Ruhezeiten: Das System erfasst im Zeitverlauf, wie konstant die typischen Ruhe- und Wachphasen einer Person verlaufen. Dies wird auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet, wobei ein hoher Wert für sehr gleichmässige Abläufe steht. Zeigt dieser Index strukturelle Abweichungen (Werte unter 70), steigen die Sturzraten statistisch um das 1,5-fache; bei starken Unregelmässigkeiten (unter 10) um das 2-fache. Eine Verschiebung der gewohnten Ruhezeiten ist im Pflegealltag oft das erste Anzeichen dafür, dass sich das allgemeine Wohlbefinden verändert – sei es durch veränderte Abläufe, Unruhe oder kognitive Schwankungen. Das Assistenzsystem macht diese Trends sichtbar, bevor es zu kritischen Situationen kommt.

Intensität der nächtlichen Ruhephasen: Der Sensor registriert passiv die Kontinuität der nächtlichen Präsenz im Bett. Wenn die Unruhe in den späten Stunden über den individuellen Ausgangswert anzusteigen beginnt, deutet dies im Pflegealltag häufig auf einen veränderten Unterstützungsbedarf hin. Jede deutliche und anhaltende Abweichung von den gewohnten Mustern geht im Modell mit einer kurzfristig erhöhten Sturzwahrscheinlichkeit in den folgenden drei Tagen einher. Der Zusammenhang ist rein praxisnah: Unruhige Nächte mindern die Aufmerksamkeit und das Gleichgewicht am Folgetag, was sich direkt in der Bewegungssicherheit widerspiegelt.

Keiner dieser beiden Werte stellt eine medizinische Diagnose oder eine klinische Checkliste dar. Sie dienen nicht der Vitaldatenüberwachung. Aber sie bieten dem Pflegepersonal wertvolle, passiv erfasste Erfahrungswerte, um die tagesaktuelle Pflegeintensität vorausschauend anzupassen.

Schlafregelmässigkeit und Sturzrisiko
Diagramm zur Schlafregelmässigkeit mit der Sturzwahrscheinlichkeit nach Quintil

Von Daten zur Prävention: Wie Teton diese Erkenntnisse nutzt

Zu verstehen, wann und warum Stürze passieren, nützt vor allem dann, wenn es die Abläufe der Pflegeteams spürbar erleichtert. Das Teton-System übersetzt diese Erkenntnisse in drei wesentliche Praxiswerkzeuge:

1. Bedarfsgerechte Benachrichtigungen

Die passenden Signale können für jeden Raum basierend auf den dortigen Anforderungen eingerichtet werden. Verlässt eine Person mit hohem Unterstützungsbedarf nachts das Bett, wird das Team umgehend informiert. Dies ist der direkteste Mechanismus: einen kritischen Übergang erkennen, das Personal informieren und ein zeitnahes Begleiten ermöglichen.

2. Analyse von Sturzclips

Wenn ein Sturz passiert, können die zuständigen Teams einen anonymisierten Clip ansehen, um den Hergang zu rekonstruieren. Das gibt Aufschluss darüber, ob Optimierungen im Umfeld möglich sind – beispielsweise wenn ersichtlich wird, dass eine Gehhilfe zu weit entfernt platziert war. Mit der Zeit baut das gemeinsame Sichten ein fundiertes Verständnis für typische Stolperquellen in der eigenen Einrichtung auf.

3. Erfahrungswerte für eine vorausschauende Pflegeplanung

Das System erfasst im Zeitverlauf allgemeine Aktivitäts- und Ruhephasen, die Präsenz im Raum sowie die Kontinuität der nächtlichen Ruhe. Diese rein organisatorischen Richtwerte unterstützen das Team bei der präventiven Strukturierung von Pflegeabläufen und sorgen für einen fundierten, reibungslosen Informationsaustausch bei Schichtübergaben im Team.

Drei Säulen der Prävention: Benachrichtigungen und Alarme, Sturzclips, Erfahrungswerte für eine vorausschauende Pflegeplanung

Die Ergebnisse: 42 % heute verhindert, 79 % vermeidbar

Zusammen haben diese Mechanismen messbare Ergebnisse erzielt. Einrichtungen, die Tetons Assistenzsystem nutzen, verzeichneten eine Gesamtreduktion der Sturzrate von 42 %, von 11,3 auf 6,6 Stürze pro 1.000 Aufenthaltstage. Am deutlichsten fiel die Reduktion bei den Übergangstypen aus, für die das System primär ausgelegt ist:

ÜbergangstypSturzreduktion
Im Rollstuhl sitzend → Sturz-54,7 %
Auf dem Boden stehend → Sturz-54,6 %
Auf der Bettkante sitzend → Sturz-53,4 %

Dies sind die Momente, in denen das System die grösste Unterstützung bietet: wenn von einer gestützten Position (Sitzen, Liegen) in eine ungestützte Bewegung gewechselt wird. Das System erkennt die Dynamik, benachrichtigt das Team und schafft wertvolle Zeit zum Handeln.

Die Analyse zeigt zudem, welche organisatorischen Faktoren bei den verbleibenden Ereignissen eine Rolle spielten:

Grund% aller Stürze
Für den relevanten Übergang war kein Alarm konfiguriert24,8 %
Ein Alarm wurde gesendet, aber das Personal reagierte nicht12,3 %
Vor dem Sturz wurde keine Zustandsänderung erkannt12,2 %
Der Sturz war zu schnell, um erkannt zu werden (augenblicklich)10,7 %

Teton reduziert die Sturzraten bereits um 42 %. Ein weiterer Teil der Ereignisse resultiert daraus, dass bestimmte Signale nicht aktiv geschaltet waren oder organisatorische Abläufe eine rechtzeitige Präsenz im Zimmer verhinderten. Dies sind klassische Konfigurations- und Prozessfragen mit bekannten, praktischen Lösungen.

Zusammengenommen ist ein grosser Anteil aller Stürze in einer Einrichtung durch die passende Konfiguration, die richtigen Signale für die entsprechenden Räume und reibungslose Abläufe im Team vermeidbar.

Sturzraten-Reduktion: -42 % insgesamt
42 % weniger Stürze. So geht's.

Sehen Sie, wie sich diese Erkenntnisse auf Ihre Pflegeeinrichtung übertragen lassen.

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Alle Statistiken in dieser Analyse basieren auf realen Produktionsdaten aus von Teton begleiteten Einrichtungen. Keine Schätzungen oder Hochrechnungen.